Professorenduell 2013

Artikel von Melina Liethmann

Niemand sucht freiwillig Streit mit Autoritäten. Moment: Niemand? Das ist so nicht ganz korrekt.
Widerlegt wird diese Behauptung durch die im Debattierclub der Universität Münster aktiven Studenten, die am 07.11.2013 nicht etwa zum ersten, nein sogar schon zum wiederholten Male kühn drei ihrer Professoren zur Debatte herausforderten.
Im vollbesetzten Hörsaal des durch seinen altehrwürdigen Charme anmutenden Schlosses ertönte gegen 19:15 Uhr der die Debatte eröffnende Schlag mit dem Debattierhammer.
Über das Thema des Redewettstreits, „Sollen Unternehmen Hochschulen sponsern dürfen?“, hatte das Publikum zuvor abgestimmt. Eine Frage also, von der alle Redner und auch das überwiegend studentische Publikum betroffen sind, deshalb eine Debatte durchaus wert ist und vor allem zum Mitdenken anregt.
Debattiert wurde im Format der Offenen Parlamentarischen Debatte (kurz OPD). Das bedeutet, es gibt drei Redner auf jeder Seite, die abwechselnd in jeweils siebenminütigen Reden ihre Position – die, da das Los die Seiten bestimmt, natürlich nicht zwingend auch ihre eigene Meinung widerspiegelt – verteidigen müssen.pduell2013_auswahl_01
Auf Seiten der Regierung, also für das unternehmerische Hochschulsponsering, redeten die Professoren: Dr. Jens Hellmann vom Institut für Psychologie in Bildung und Erziehung, Prof. Dr. Fabian Wittreck von Institut für Öffentliches Recht und Politik und Dr. Ortwin Lämke vom Zentrum für Rhetorik, Kommunikation und Theaterwissenschaften. Gegen den Antrag argumentierten folglich die Studenten: pduell2013_auswahl_02Adrian Gombert (BWL), Melanie Röpke (Jura) und Pia Rölleke (Pharmazie).

Den Kern der Debatte bildete die Frage nach der Freiheit der Wissenschaft und Forschung, wobei selbstverständlich auch Abstecher in die Wirtschaftspolitik gemacht und Ausflüge in die moralischen Tiefen des Themas nicht außen vor gelassen wurden.
Während die Reden der Professoren überwiegend Ruhig und besonnen vorgetragen wurden, zeigten die Studenten ihren gesamten Kampfgeist in einer Fülle von mit Nachdruck vorgetragenen Argumenten, wobei sie sich auch durch die teilweise listigen und stets cleveren Fragen der Gegenseite nicht aus dem Konzept bringen ließen.
Doch nicht nur die sechs Redner vorn auf dem Podium durften ans Rednerpult treten. Denn die Besonderheit des OPD-Formats liegt darin, dass auch Zuhörer aus dem Publikum nach den ersten vier Reden das Wort ergreifen dürfen, um so ihre eigene Meinung zum Thema kund zu tun und ihr favorisiertes Team mit zusätzlichen Argumenten zu unterstützen. Durch diese Option wurde das Professorenduell zu einer interaktiven und deshalb umso fesselnderen Debatte, die mehr war als bloßes Zuhören und Kopfnicken (respektive Kopfschütteln).

Nach den Schlussreden von Herrn Doktor Lämke und Pia Rölleke war alles gesagt und nun lag die Entscheidung buchstäblich in den Händen des Publikums: Durch Applaus würde über Sieg oder Niederlage abgestimmt. Das Ergebnis: Unentschieden!
Sehr diplomatisch hat die Moderatorin des Duells, Johanna Mai, die Entscheidung annehmen wollen, doch sie stieß auf Protest. Die Meute wollte einen Sieger. Also wurde ausnahmsweise erneut abgestimmt.
Diesmal war das Ergebnis eindeutig: Der Applaus für die Studenten war lauter und kräftiger, sie hatten gewonnen, das Publikum war zufriedengestellt.

Insgesamt war das diesjährige Professorenduell wieder einmal ein Erfolg auf ganzer Linie. Vorrangig natürlich für die drei siegreichen Studenten, aber auch für den Debattierclub selbst war es ein gelungener Abend, da die hohe Zuschauerzahl das Interesse der Leute am Debattieren deutlich gezeigt und so dem Club eventuell sogar einige neue Mitglieder beschert hat. Und auch die Professoren sind nicht leer ausgegangen: Obwohl sie die Debatte nicht für sich entscheiden konnten, haben sie durch ihre Bereitschaft zur Teilnahme an dem Turnier und ihre offensichtliche Freude daran gewiss die Sympathien ihrer Studenten gewonnen bzw. gestärkt.

Was darf man nun als Erkenntnis mitnehmen? Richtig. Streit mit Autoritäten ist also nicht immer zwingend aus dem Weg zu gehen! Es könnte unter Umständen spaßig werden.

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Bleibt nur noch Eines zu sagen: Ein herzliches Dankeschön an den Vorstand des Debattierclubs für seine Mühe und das Engagement, die den Abend so erfolgreich haben werden lassen und natürlich auch an die Redner, dass sie mit so viel Eifer und Freude dabei waren.

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